Die genauen Ursachen und Zusammenhänge von Post-COVIDundME/CFS sind noch nicht vollständig geklärt. Die aktuelle Forschung deutet darauf hin, dass es sich um multifaktorielle Erkrankungen handelt, die auf eine Kombination aus Viruspersistenz, Immunfehlregulation, Durchblutungsstörungen, mitochondrialer Dysfunktion und autonomer Dysregulation zurückgeführt werden kann. Dies würde auch erklären, warum verschiedene Therapien unterschiedlich gut wirken.
Weitere Forschung ist erforderlich, um die zugrunde liegenden Mechanismen aufzuklären und wirksame Behandlungsstrategien zu entwickeln.
Im Folgenden sollen die genannten Punkte der besseren Überschaubarkeit nur kurz erläutert werden. Im Hessisches Ärzteblatt 2/2025 findet sich eine detaillierte Übersicht des aktuellen Forschungsstandes.
1. Virale Persistenz und Reaktivierung:
Man vermutet, dass das Coronavirus (SARS-CoV-2) oder andere „schlummernde“ Viren wie das Epstein-Barr-Virus (EBV) im Körper aktiv bleiben oder erneut aktiviert werden. Das könnte zu anhaltender Müdigkeit und anderen Symptomen führen. Auch Teile des Virus wurden lange nach der Infektion noch im Körper nachgewiesen – etwa im Darm oder in bestimmten Immunzellen. Ob diese Viren selbst krank machen oder durch zusätzliche entzündliche Immunreaktionen zur Entwicklung von PCS beitragen ist noch unklar.
2. Autoimmunprozesse:
Das Immunsystem von Betroffenen scheint aus dem Gleichgewicht geraten zu sein. Es wurden Veränderungen bei T- und B-Zellen beobachtet, die auf eine Art „Erschöpfung“ oder Fehlsteuerung hinweisen. Auch entzündliche Botenstoffe (z. B. Interferone, IL-6) sind teils erhöht. Diese Immunveränderungen könnten erklären, warum sich das Immunsystem dauerhaft gegen den eigenen Körper richtet – ähnlich wie bei Autoimmunerkrankungen. Aber die Erkenntnisse stammen meist aus kleinen Studien, daher sind die Schlussfolgerungen noch vorsichtig zu betrachten.
3. Endotheliale Dysfunktion
Die kleinen Blutgefäße (Mikrozirkulation) funktionieren bei vielen Betroffenen nicht mehr richtig. Das betrifft besonders Herz, Gehirn und Augen. Studien zeigen: Selbst Monate nach der Infektion sind Blutgefäße noch geschädigt – etwa durch Entzündungen oder winzige Blutgerinnsel. Das könnte typische Symptome wie Schwindel, Konzentrationsstörungen und Herzprobleme erklären.
4. Mitochondriale Dysfunktion
Mitochondrien sind die „Kraftwerke“ unserer Zellen. Bei Patient*innen zeigen sie oft strukturelle und funktionelle Schäden – z. B. schlechtere Energiegewinnung, gestörte Entgiftung oder übermäßiger oxidativer Stress. Diese Veränderungen können zu ständiger Erschöpfung, Muskelschwäche oder kognitiven Problemen führen. Auch das Virus selbst kann Mitochondrien gezielt stören, um sich zu vermehren. Ob diese Schäden langfristig bestehen bleiben, wird aktuell erforscht.
5. Mikrobiom-Veränderungen
Das Gleichgewicht der Darmflora ist bei vielen Betroffenen gestört. Bestimmte nützliche Bakterien fehlen, während andere überhandnehmen. Das kann Entzündungen fördern und die Immunabwehr negativ beeinflussen – möglicherweise auch über die sogenannte Darm-Hirn-Achse, was neurologische Symptome wie Brain Fog erklären könnte. Ob gezielte Probiotika oder Mikrobiom-Transplantationen helfen, wird derzeit untersucht.
6. Autonome Dysregulation
Einige Menschen entwickeln durch PCS Probleme mit dem autonomen Nervensystem, das unter anderem Herzschlag, Blutdruck und Verdauung steuert. Typisch ist das POTS-Syndrom: Beim Aufstehen steigt der Puls unverhältnismäßig stark an, begleitet von Schwindel oder Herzrasen.
Autonome Dysfunktionen im Rahmen von Post-Covid-Syndrom (PCS) beschränken sich nicht nur auf das POTS, sondern umfassen auch andere Störungen wie orthostatische Hypotonie, Ohnmachtsanfälle und Magen-Darm-Beschwerden. Diese treten häufig aufgrund einerFehlregulation des sympathischen und parasympathischen Nervensystems auf und äußern sich unter anderem durch Schwindel, Übelkeit, verändertes Schwitzen und gestörte Temperaturregulation (auch eine Dysfunktion des Vagusnervs wird diskutiert). AlsUrsachen gelten entzündliche Prozesse durch eine überschießende Immunantwort (z. B. erhöhte IL-6- und TNF-α-Werte), autoimmune Reaktionen gegen bestimmte Rezeptoren sowie eine gestörte Blut-Hirn-Schranke, die zentrale Nervenzentren wie den Hypothalamus beeinträchtigen kann.
(vgl. Hessisches Ärzteblatt 2/2025, u.a.)

