POTS

Was ist POTS?

POTS (Posturales Tachykardiesyndrom) ist eine Form der autonomen Dysfunktion, bei der das vegetative Nervensystem die Steuerung von Herzschlag, Blutdruck und Kreislauf aus dem Gleichgewicht bringt. Typisch ist ein starker Anstieg der Herzfrequenz beim Aufrichten in den Stand — meist um über 30 Schläge pro Minute (oder über 120/min insgesamt), ohne dass gleichzeitig ein Blutdruckabfall auftritt.

Häufige Symptome:

  • Herzrasen beim Aufstehen oder längerer stehender Haltung
  • Schwindel, Benommenheit
  • Schwäche- und Ohnmachtsgefühl
  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit
  • Sehstörungen
  • Kognitive Einschränkungen („Brain Fog“)
  • Erhöhte Erschöpfbarkeit

Die Beschwerden bessern sich oft im Liegen und verschlechtern sich bei Hitze, nach dem Essen, Stress oder körperlicher Belastung.

Ursachen und Zusammenhänge:

POTS kann idiopathisch (d.h. ohne erkennbare Ursache) auftreten, aber auch im Zusammenhang mit:

  • ME/CFS
  • Long COVID / Post-COVID
  • Ehlers-Danlos-Syndrom
  • Autoimmunerkrankungen
  • Postviralen Zuständen

Diagnose:

POTS ist sichtbar, wenn man hinschaut. Symptome lassen sich durch Messungen objektivieren und sind keine „Einbildung“ — und es betrifft mehr Menschen, als man denkt, gerade im Zusammenhang mit Post-COVID.

Zur Diagnose wird meist ein aktiver Stehtest oder eine Kipptischuntersuchung durchgeführt:

  • Messung von Herzfrequenz und Blutdruck im Liegen (10 Minuten).
  • Aufrichtung des Tisches auf 60–80° und erneute Messungen von Herzfrequenz und Blutdruck über 10-45 Minuten (je nach Belastbarkeit).
  • Ein Anstieg der Herzfrequenz um ≥30 Schläge/min (bei Jugendlichen ≥40) innerhalb der ersten 10 Minuten im Stehen ohne Blutdruckabfall spricht für POTS.

Bluttests, EKG und Ausschluss anderer Ursachen gehören ebenfalls dazu.

Therapie und Umgang im Alltag:

Eine Heilung ist aktuell nicht möglich, aber die Symptome lassen sich oft lindern:

Nicht-medikamentös:

  • Erhöhte Flüssigkeitszufuhr (2–3 Liter/Tag)
  • Mehr Salzaufnahme (nach ärztlicher Rücksprache)
  • Kompressionsstrümpfe
  • Langsames Aufstehen
  • Liegepausen im Alltag
  • Meiden von Überhitzung und größeren Belastungsspitzen

Medikamentös (bei Bedarf und nur unter ärztlicher Aufsicht):

  • Betablocker
  • Midodrin
  • Ivabradin
  • Pyridostigmin

Warum Aufklärung wichtig ist:

Viele Betroffene leiden lange, bevor die Diagnose gestellt wird. POTS wird oft verkannt oder als psychisch bedingt abgetan. Dabei ist es eine körperliche, ernstzunehmende Störung, die den Alltag erheblich einschränkt. Aufklärung und Verständnis können Lebensqualität und Versorgung deutlich verbessern.

blue-ME/... App Icon
blue-ME/... App
Pacing & Tagebuch
Download
×